Das MUSEUM LANGES TANNEN und die Skagen-Maler

Warum in die Ferne schweifen, wenn es auch in der Nähe wahre Perlen zu entdecken gibt. Ich weiß, dass dies kein neuer Gedanke ist. Aber er flog mir zu, als ich letztens einen Ausflug nach Uetersen machte, jene Kleinstadt in Schleswig-Holstein, nur etwa dreißig Kilometer nordwestlich von Hamburg entfernt. Was es dort zu sehen gibt?

Eine Freundin hatte davon im Radio gehört: im Uetersener Museum Langes Tannen gebe es eine Ausstellung der sogenannten Skagen-Maler.

Ich hatte Uetersen bisher weder besucht noch von dem Museum gehört. Nun also sollte ausgerechnet dort Skagen-Malerei zu sehen sein? Wir konnten es kaum glauben und beschlossen, einfach mal hinzufahren.

Veröffentlichung des Skagen-Museum sowie der Prospekt des Museum Langes Tannen

Die Maler des Lichts

An der Nordspitze Dänemarks, wo Nord- und Ostsee miteinander verschmelzen, liegt Skagen, einst ein altes Fischerdorf, das in den 1870er Jahren von dänischen Malern entdeckt wurde. Es war das besondere Licht, das sie faszinierte. Die meisten von ihnen hatten in Kopenhagen an der Königlichen Akademie studiert und sich später von neuen Kunstströmungen im Ausland, vor allem in Paris, inspirieren lassen. Sie blieben nicht länger in ihren Ateliers, sondern malten unter freiem Himmel. Skagen mit seinen faszinierenden Lichtstimmungen und der rauen Landschaft bot ideale Motive: Meer, Strand, Boote, die Fischer bei ihrer harten Arbeit, das karge Leben in den Dörfern. Manche Künstler blieben nur während der Sommermonate, andere ließen sich dort nieder. Unter ihnen waren auch Malerinnen, die damals noch nicht an den Kunstakademien studieren durften, sondern Malschulen für Frauen besuchen oder bei Privatlehrern lernen mussten. Gemeinsam gründeten sie eine Künstlerkolonie, wie sie auch an anderen Orten, etwa in Hiddensee, Ahrenshoop oder Worpswede entstanden.

Die Kunde von dem besonderen Licht sprach sich schnell herum und lockte weitere Maler an, auch aus dem Ausland. Heute ist die Skagen-Malerei ein Begriff, der weit über Dänemarks Grenzen hinaus bekannt ist. Einer der wichtigsten Vertreter dieser Künstlergruppe war J.P. Krøyer. Hier ein Nachdruck seines berühmten Gemäldes: Sommerabend am Südstrand von Skagen mit Anna Ancher und Marie Krøyer.

Das ehemalige Anwesen einer Fabrikantenfamilie

An einem trüben Tag im Januar ging es mit der Regionalbahn von Hamburg nach Tornesch und per Bus weiter nach Uetersen. Die letzten paar Hundert Meter legten wir zu Fuß zurück und je weiter wir stadtauswärts eine recht befahrene Straße entlangliefen, desto größer wurden meine Zweifel an dem Sinn dieser Unternehmung. Doch dann führte uns eine Biegung auf eine alte Allee. Wie bestellt hellte der Himmel auf und Sonnenstrahlen tauchten die vor uns liegende Parkanlage in ein warmes Licht.

Am Ende der Allee entdeckten wir ein weißes Gebäude. Das musste es sein: das Museum Langes Tannen, eine ehemalige Fabrikantenvilla.

Von einer Kornmühle zum Industriebetrieb

Im Jahre 1727 erteilte der dänische König Friedrich IV. dem Müller Johann Heinrich Carstens (1708-1738) die Konzession für den Betrieb einer Korn- und Graupenmühle in Groß Nordende nahe Uetersen. Schleswig-Holstein gehörte damals zum dänischen Gesamtstaat und wurde erst 1866, nach dem deutsch-dänischen Krieg (1864), preußische Provinz.

Johann Heinrich Carstens starb schon wenige Jahre später, und seine Witwe, Maria Cäcilia (?-1783), heiratete 1739 den Müller Jacob Lange (1709-1780).

Etliche Schwierigkeiten und harte Schicksalsschläge galt es zu bewältigen. Dennoch gelang der Familie durch kluges und vorausschauendes Handeln ein beachtlicher Aufstieg. Über sieben Generationen blieb sie im Mühlengeschäft tätig. Andere Geschäftszweige kamen hinzu, wie der Handel mit Mühlenprodukten, die Produktion von Schiffszwieback, eine Branntweinbrennerei und Ländereien, die landwirtschaftlich genutzt wurden. Mitte des 19. Jahrhunderts verkaufte die Firma ihre Produkte bis nach Amerika.

Der Mühlenbetrieb um 1850 (aus dem Museumsprospekt)

1873 gründete das inzwischen J.P. Lange & Söhne genannte Unternehmen eine Zweigniederlassung in Altona. Bereits 1886 wurde sie zum Hauptsitz der Firma.

Mühlenbetrieb in Altona (aus dem Museumsprospekt)

Die Mühle in Uetersen wurde verpachtet, 1889 brannte sie ab. 1910 ließen die Langes die noch vorhandenen, aber nicht mehr genutzten Betriebsgebäude abreißen. Zurück blieben Mühlensockel, Scheune, ein paar Nebengebäude und die Villa.

Vom Familiensitz zum Museum

Im Jahre 1979 vermachte Werner Lange (1917-1979), ein Nachkomme der Gründerfamilie, das Anwesen der Stadt Uetersen mit der Auflage, es der Öffentlichkeit als Erholungsgebiet zugänglich zu machen und in dem Gebäudeensemble ein Heimatmuseum einzurichten. Das gesamte Gelände umfasst 26 ha mit Wald, Wiesen, Feldern und Quellteichen.

Nach umfangreicher Renovierung konnte das Museum im August 1985 eröffnet werden. Es erhielt den Namen „Museum Langes Tannen“, benannt nach den Tannen, die den Langeschen Wald prägen.

Seitdem wurden dort viele Werke namhafter Künstler ausgestellt, Konzerte und Lesungen gegeben.

Die Sammlung von Veronika und Volker Putz

Das Hamburger Ehepaar Putz begann vor 25 Jahren, Gemälde der Skagen-Maler zu sammeln. Rund 100 Werke sollen inzwischen zusammengekommen sein, von denen viele in dieser Ausstellung zu sehen sind, u.a. Arbeiten von Anna und Michael Ancher, P. S. Krøyer, Carl Locher und Viggo Johansen.

Die Stiftung des Ehepaars Putz ist bekannt für ihre Unterstützung etlicher Projekte in den Bereichen Kunst, Kultur und Bildung.

MUSEUM LANGES TANNEN

Die Allee führte uns zunächst zum achteckigen gemauerten Sockel der ehemaligen Windmühle. Heute befindet sich dort ein Café, das aber leider just an diesem Tag geschlossen war.

Die Villa der Familie Lange war 1802 fertiggestellt worden. Einst bot sie genügend Raum für Geschäftsführung und Wohnen.

Nachdem die Firma nach Altona gezogen war, diente sie der Familie nur noch als Wochenend-, Sommer- und Alterssitz.

Weite Parkanlagen gehören zum Anwesen

Rundgang durch die Ausstellung

Ich war überrascht, als wir die Villa betraten. Mit so vielen Besuchern hatte ich nicht gerechnet.

Viggo Johansen, Schiffe am Strand von Skagen

Und nun sahen wir endlich die Skagen-Gemälde – im Erdgeschoss, in Flur und Treppenhaus sowie im Obergeschoss.

Wir ließen uns Zeit, warteten bis sich der Andrang legte, um in Ruhe die Bilder auf uns wirken zu lassen.

Immer wieder ging mein Blick aus dem Fenster hinaus in die Natur.

Das harmonische Zusammenspiel der Skagen-Malerei, der dänisch anmutenden Räumlichkeiten und der Natur war beeindruckend.

Sehr schön auch einzelne Exemplare des originalen Mobiliars, das aus dem 19. Jahrhundert stammt.

Schließlich hatten wir alles ausgiebig in Augenschein genommen, doch die schöne Atmosphäre dieses kleinen Museums hielt uns noch lange fest. Gespräche mit anderen Besuchern ergaben sich, ein Austausch von Meinungen und Informationen. Welch ein schöner Ort!

Carl Locher, Blick über die Dünen auf Skagens Sønderstrand

Wir beschlossen wiederzukommen. Irgendwann im Sommer. Zur nächsten Ausstellung.

Holzskulptur von Jonas Kötz

Als wir die Villa verließen und einen letzten Blick auf Park und Wiesen warfen, entdeckten wir eine Skulptur. Ob das einer der Langes ist?

Die Ausstellung ist noch bis zum 23.03.2025 zu sehen:

Skagen-Maler – Der Sehnsuchtsort an der Nordspitze Dänemarks

Sammlung Veronika und Volker Putz

MUSEUM LANGES TANNEN, Heidgrabener Straße, 25436 Uetersen

Öffnungszeiten: Mi+Sa 14-18 Uhr, So 11-18 Uhr

www.langes-tannen.de

Viggo Johansen, Skagen, Sønderstrand

 

2 Kommentare
  1. Danke für den ausführlichen Bericht und die vielen Fotos. Gerne wäre ich in die Ausstellung gegangen, aber leider ist sie nicht mal eben um die Ecke zu besuchen. Durch dich habe ich einen Einblick bekommen. Die Umgebung war sicher auch sehr schön.
    Es grüßt Renate

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